Frische Themen

Arbeiteraristokratie in der Hoppenstedtstraße

Harburger Sozialtopographie 1932 (Teil 1)

Die Hoppenstedtstraße erzählt ein starkes Stück Harburger Geschichte. Ihre Anlage und Ausgestaltung sind der in Stein gefasste Ausdruck sozialdemokratischen Führungsanspruchs. Sie zeigt den damaligen kulturellen Aufbruch in „Neues Bauen“ ebenso wie ein bedenkliches Maß an Selbstbedienungsmentalität und Klientelpolitik. Wer Erklärungen für das Scheitern einer Einheitsfront gegen den Faschismus sucht, muss auch solche Kapitel aufschlagen.

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Gummikamp, Hercules und Sägemann

Harburger Traditionsfirmen und ihre Logos, Teil 2
Logo NYH

Die New York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie, kurz NYH, wurde von den Harburgern gern „Gummikamp“ genannt – intelligent zusammengezogen aus „Kamm“ und „Compagnie“, zwei Namensbestandteilen der Ursprungsfirma an diesem Standort. Im Folgenden geht es um einen speziellen Ausschnitt der Firmengeschichte: um das Unternehmenslogo und die Markenzeichen.  

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Meine fünf Syrer

Menschen im Nebel

Seit zweieinhalb Monaten bringe ich fünf Syrern Deutsch bei. Jeden Tag vier Schulstunden. In einer Gewerbeimmobilie zwischen Tierarztpraxis und Autohändler. Einer dieser im Oktober 2015 beschlossenen Einstiegskurse für Asylbewerber mit „guter Bleibeperspektive“.

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Carl Blohm 1886 - 1946

Maler der Marschen

Kritische LeserInnen dieser Website haben es vermutlich längst gemerkt: Sie ist multipolar. Da ist die Stadt Harburg, ihre industrielle Blütezeit in den Jahren 1870 bis 1970. Ebenso die industrielle Arbeiterbewegung als solche. Dann die Lebenserfahrungen meiner Herkunftsfamilien. Und schließlich weitere Assoziationsgeflechte, die sich von diesen Polen verzweigen. Carl Blohm ist Ast in einem solchen Geflecht. Sein Werk berührt mich auf vielfältige Weise.

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Onkel Karl und die gefangenen Rotarmisten

Eine Diaserie von 1942 aus dem Kriegsgefangenenlager Zeithain

In einem alten hölzernen Diakasten fanden sich zwischen Urlaubsmotiven 15 Farbdias, die auf den ersten Blick als Aufnahmen aus dem Inneren eines Gefangenenlagers im II. Weltkrieg kenntlich waren. Die Gefangenen konnten aufgrund ihrer Uniformen leicht als Angehörige der Roten Armee identifiziert werden. Weitere Aussagen, etwa zu Ort, Zeit und Motiv der Aufnahmen oder zu den Bewachern, ließen sich nach Analyse des Überlieferungskontextes und der Person des Fotografierenden treffen. 

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Anarchismus und Polizeistaat

Teil 3 und Schluss: Die Verhaftung von Johann Christoph Neve in neuer Perspektive

Vom Nimbus des Sozialrevolutionärs Johann Neve unter Anarchisten war an dieser Stelle schon die Rede. Allerdings: Er wäre auch hier längst vergessen, gäbe es da nicht ein schlechtes Gewissen. Seine Verhaftung durch belgische und deutsche Polizisten war über Jahrzehnte Gegenstand inneranarchistischer Polemik. Zur Frage, wer Neve an die Polizei verraten habe, erschienen zahllose Stellungnahmen. In der Sache brachten sie mehr Verwirrung als Erkenntnis.

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Günther Gotthardt 1918 - 1940

Eroberungskrieger der Nazi-Wehrmacht

Günther Gotthardt kam während der Novemberrevolution 1918/19 in Harburg zur Welt und starb im Alter von 21 Jahren am 5. Juni 1940 neben seinem Panzer bei Amiens in Nordfrankreich. Er war Sohn des Lehrers Friedrich Gotthardt und der Hausfrau Hedwig Gotthardt. Er hatte einen älteren Bruder, Walter (Jahrgang 1913), und einen jüngeren, Hartwig (Jahrgang 1921). 1933 sagte Hedwig, "es wird Krieg geben, und meine Söhne werden sterben." Alle drei Söhne waren seit 1939 als Soldaten im Krieg. Hartwig, mein Vater, war der einzige der Brüder, der ihn überlebte.

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Mail aus Göteborg

Neue Nachrichten über Gustav „Scheini“ Martens

In Reaktion auf den Artikel „Neue Aktenfunde...“ vom Februar dieses Jahres traf nun überraschend eine Mail aus Göteborg ein. Ivan Martens, der Enkel von Gustav Martens, übermittelte uns den Link zu seiner Website, auf der er das Album seines Großvaters über dessen Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg 1937 – 1939 veröffentlicht hat. Es ist ein bewegendes, kostbares Dokument.

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Herbst der Rebellion?

Die rätselhafte Explosion in der Buxtehuder Straße 104 am 7.3.1955

Diese Geschichte ist nahezu unglaublich. Oberflächlich wirkt sie wie das Drehbuch eines drittklassigen Agentenfilms. Unter der Haut aber erzählt sie eine ganz und gar reale und sehr tragische Episode: das Scheitern des rebellischen Harburger Arbeiterradikalismus, der in der Revolution 1918-1923 auflebte, in der Nazizeit 1933-1945 heroisch wurde und in den bleiernen Jahren des Adenauer-Staates verendete.

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25 km altweibersommer

neue wege auf der elbinsel

Dieser Bericht liefert ein Blitzlicht auf eine der faszinierenden Hamburger Zwischenwelten, von denen es so viele gibt. Die Autorin hat ihre Fahrt im Norden begonnen, da sie in Winterhude wohnt. Von Harburg lässt sich diese Tour natürlich auch von Süden aus machen. Der Vorteil dabei: Man kann einen Abstecher zum Portugal-Laden in der Jaffestraße machen, wo Würste für einen deftigen Herbst-Eintopf und ein herrlicher Aquardente für danach zu haben sind.

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